Kurzer Lebenslauf

und Hauptarbeitsgebiete 

 

 

Uta Gerhardt

em. Professor für Allgemeine Soziologie

Universität Heidelberg

 

 

 

Uta Gerhardt, geboren 1938 in Zella-Mehlis / Thüringen, war Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Heidelberg, emeritiert 2003, Wohnsitz Berlin seit 2011.

 

Studium der Soziologie, Philosophie, Geschichte und Psychologie an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main (Institut für Sozialforschung) und der Freien Universität Berlin. Diplomsoziologe 1965 mit einer Arbeit über den Krisenbegriff im Werk Karl Mannheims.  

 

Lehr- und Forschungstätigkeiten u.a. an der FU Berlin, der Universität Konstanz (Dr. rer. soc. 1969 mit einer Arbeit über Rollentheorie), University of California San Diego/Berkeley, University of London (Bedford College Social Research Unit), Klinikum der Justus-Liebig-Universität Gießen (Lehrstuhl und Abteilungsleiter, Medizinische Soziologie), New York University, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Lehrstuhl für Soziologie II: Allgemeine Soziologie), Harvard University (Forschungsaufenthalte) sowie National Archives Washington DC (Forschungsaufenthalte).


Hauptarbeitsgebiete:

 

Bis Mitte und noch teilweise bis Ende der siebziger Jahre war Hauptthema die soziologische Theorie insbesondere mit Blick auf Begriffsbildung und empirische Konzeption der Vergesellschaftung. Hauptarbeitsgebiet war die Theorie sozialer Rollen unter besonderer Berücksichtigung phänomenologischen Denkens (Georg Simmel, Alfred Schütz).

 

Bis Mitte und noch teilweise weiter bis Ende der neunziger Jahre war Hauptthema die Medizinische Soziologie innerhalb der klinischen Medizin und als Anwendungsgebiet für die Theorie des sozialen Handelns. Meine empirische Forschung konzentrierte sich auf zwei Großstudien – in England und Deutschland – zur biographische Dynamik bei schweren chronischen Erkrankungen. Methodisch entstand die Idealtypenanalyse – angelehnt an Max Webers Methodologie – als Verfahren der systematisch qualitativen Dateninterpretation (Fall-Struktur-Analyse).

 

Ab Mitte der neunziger Jahre war das Hauptthema die moderne Soziologie in den USA und die klassische soziologische Theorie in Deutschland, vor allem die Denkansätze der vorigen Jahrhundertwende (Georg Simmel, Max Weber), aber auch Talcott Parsons (für die jüngeren Ansätze Erving Goffman).

 

Seit meiner Emeritierung haben zwei große Forschungsprojekte zur amerikanischen Besatzungsherrschaft und zum transatlantischen Wissenstransfer nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal einen neuen Schwerpunkt gesetzt. Die Quellenmaterialien entstammen den National Archives, die geschichtlichen Zusammenhänge werden unter soziologischer Perspektive geschildert. Der analytische Gesichtspunkt ist, die Daten des historischen Geschehens und Denkens systematisch durch verstehendes Erklären zu interpretieren.

 

Die Publikationen seit 2009:

 

Soziologie im zwanzigsten Jahrhundert - Studien zu ihrer Geschichte in Deutschland: Eine Geschichte der Soziologie in Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert spannt einen Bogen von Georg Simmel bis hin zur Wiedervereinigung als Thema der soziologischen Theorie und der empirischen Forschung.

 

The Social Thought of Talcott Parsons - Methodology and American Ethos: Eine Werkgeschichte, die das gesamte Werk Talcott Parsons’ umspannt schlägt den Bogen vom Frühwerk der dreißiger Jahre bis hin zum Spätwerk der sechziger und siebziger Jahre. Dabei werden drei Phasen im Werk Parsons’ herausgearbeitet, das mit jedem Wandel der amerikanischen Gesellschaftsgeschichte jeweils neu begründet wurde. Am Ende steht ein langes Kapitel zum Thema, warum und wie das Werk Parsons’ für die Soziologie im einundzwanzigsten Jahrhundert wichtig ist.

 

Wirklichkeit(en) – Soziologie und Geschichte: Eine Sammlung zwölf thematischer Arbeiten unter dem Titel Wirklichkeit(en) schlägt eine Brücke zwischen Soziologie und Geschichte, um zu dokumentieren, dass das geisteswissenschaftlich begründete Verstehen, wie es Max Weber entworfen hat, ein Königsweg geschichtsbewusster Sozialwissenschaft ist: Die Analysen reichen von Autoritarismus der deutschen Familie über den Charismabegriff Webers und die „Geisteswelt“ des Nationalsozialismus bis zur empirischen Sozialforschung der Reeducation.